Dienstag, 28. Februar 2017

Sexismus - Die Frauenrolle im Buch

Bisher habe ich mich auf meinem Blog meistens mit Rezensionen und Buchverfilmungen beschäftigt und selten meine Gedanken zu einem Thema gepostet. Aber heute möchte ich mich mal äußern.
Ich habe schon oft gelesen, dass einige Leute ohne ein Buch gelesen zu haben, darüber urteilen und das verstehe ich nicht. Wie kann man denn, ohne sich wirklich mit etwas zu befassen, einfach mit Vorurteilen um sich werfen?
Ich habe also ein bisschen darüber nachgedacht und meine Gedanken zusammengefasst. Ich beziehe mich hier aber nicht auf ganze Bücher, sondern nur auf weibliche Protagonisten (da diese am meisten kritisiert werden) und was ich von diesen erwarte.
Es ist mir eigentlich ziemlich egal, ob die Protagonistin das nette und liebe Mädchen von nebenan oder ein absolutes Bad Ass ist. Mir geht es bei Charakteren darum, ob sie vielschichtig sind und Tiefe haben. Ich finde es wichtig, dass ich mich mit ihnen identifizieren kann und dass sie mir sympathisch sind. Dabei ist es egal ob sie ein Pornosternchen ist oder das naive Landei ist, ob sie tattöwiert ist, welche Haarfarbe sie hat oder wie sie allgemein aussieht.
Natürlich hat man immer ein Bild vor Augen, aber es ist die Aufgabe des Autors den Charakteren Leben einzuhauchen und eine Persönlichkeit zu geben. Es macht nämlich auch mal Spaß etwas außer der Norm zu lesen und nicht nur innerhalb der eigentlichen Schubladen.
Ich liebe es etwas über Charaktere zu lesen, die nicht flach sind und da sind mir Charaktere, die besonders sind, am liebsten. Charaktere, die nicht perfekt sind und Ecken und Kanten haben. Natürlich habe auch ich manchmal Vorurteile, aber ich lasse mich auch gerne mal überraschen.
Ich verstehe schon, dass es für einen Autor oder eine Autorin schwierig ist es allen Recht zu machen... Nein, es ist unmöglich.
Es soll eine starke Frau sein, aber sie soll nicht zu stark sein. Sie soll nicht langweilig sein, aber auch nicht zu außergewöhnlich. Sie soll nicht zu naiv und gutgläubig sein, aber auch nicht zu misstrauisch. Sie soll hübsch sein, aber nicht zu perfekt. Man kann es nie allen recht machen und das sollte man auch gar nicht erst versuchen. Man sollte nicht erwarten, dass jeder die Charaktere, die erschaffen wurden, von allen gemocht werden, aber diese sollten sich auch mit den Charakteren auseinander setzen und nicht einfach urteilen.
Eine Pornodarstellerin ist nicht gleich eine dumme Pornoschl**** und ein Mädchen vom Land, nicht immer das naive Dummchen. Welche Entwicklung macht die Protagonistin durch? Was sind ihre Stärken und was ihr Schwächen? Das sind die Fragen, die beim Lesen beantwortet werden sollten und die einen eine Beziehung zur Protagonistin aufbauen lassen.
0/8/15 Bücher machen irgendwann keinen Spaß mehr und ich liebe alles was auch mal anders ist. Was ich aber ziemlich auffällig finde ist, dass männliche Protagonistin alles sein können: vom heißen Sportler, über den sexy Bad Boy bis hin zum tatöwierten Rockstar. Ob er Polizist, Feuerwehrmann, Stripper, Professor, Spion, Millionär oder Auftragskiller ist. Es werden fast immer nur die Frauen kritisiert, aber woran liegt das?
Warum stört es uns heutzutage, wenn die Frau wild und frei ist? Wenn sie das tut, was sie mag? Wenn es nicht mehr nur der Bad Boy, sondern auch mal ein Bad Girl ist? Warum sagen wir, dass wir keine Lust mehr darauf haben, immer das gleiche zu lesen, und uns dann aber beschweren, wenn es mal so ist?
Ich finde, dass wir lernen sollten toleranter und weniger sexistisch gegenüber Frauen in Romanen zu sein. Wie seht ihr das?


Ich freue mich auf eure Meinung zu diesem Thema

Kommentare:

  1. Hallo Chantal
    Ich könnte mir vorstellen, dass es daran liegt, dass die meisten Menschen (besonders Blogger), die über Bücher schreiben, meist Frauen/Mädchen sind. (Ich sage ja nicht, dass es keine männlichen Buchblogger gibt, aber die sind doch eher rar gesät. Ich zumindest kenne nur einen.)

    Erstens fallen den meisten Menschen Klischees eher auf, wenn sie sie selbst (indirekt) betreffen. Dann kann man nämlich "Mann, ey, das stimmt doch gar nicht!" rufen und sich tierisch darüber aufregen. Wenn es stattdessen in einem Buch ein Klischee über Turmspringer gibt, dann stört es fast niemanden / fällt so gut wie niemandem überhaupt auf, weil die meisten Leute eben keine Turmspringer sind.

    Zweites haben sich die meisten mit dem guten alten Bad Boy - Klischee einfach arrangiert und schütteln nur noch müde den Kopf, wenn ihnen mal wieder einer über den Weg läuft, statt sich die Mühe zu machen, sich so richtig darüber aufzuregen. (Außerdem lesen wahrscheinlich nicht allzu viele Bad Boys irgendwelche Groschen-Romane und denken sich dann so "Boahhh, das würd ich nie machen, Mann! So bin ich doch gar nicht!".)

    LG Johanna (Bookpalast)

    PS: Ich habe kürzlich zwei Beiträge über Klischees bei männlichen und weiblichen Hauptcharakteren geschrieben. Wenn es dich interessiert, schau doch mal vorbei:
    https://bookpalast.wordpress.com/category/klischee-archiv/ (Anmerkung: Lies den älteren Beitrag (männliche Hauptcharaktere) zuerst, dann verstehst du die Aufmachung besser.)

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  2. Jetzt kommentiere ich schon zweimal denselben Beitrag ;). Wie auch immer: Ich habe dich für den "Versatile Blogger Award" nominiert und würde vor Freude einen Handstand machen, wenn du teilnehmen würdest. Es folgt ein Link zu meinem Beitrag:
    https://bookpalast.wordpress.com/2017/03/02/keine-fragen-sieben-antworten-the-versatile-blogger-award/

    LG Johanna | Bookpalast

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